Sonntag, 4. Mai 2014

Die große Reise

Da wir unsere Kinder mit einer kleinen Osterfeier nach deutscher Tradition in die Ferien geschickt hatten, begann für uns die Urlaubs- und somit Reisezeit. Zusammen mit Clara und Marieke sowie ihrer Mama und deren Freundin hieß das erste Ziel natürlich Kintampo. 
Da ich euch schon einige Male von den Wasserfällen berichtet habe nehme ich euch gleich mit nach Kumasi, in die zweitgrößte Stadt Ghanas. Nach einer vierstündigen Fahrt machten wir uns gleich auf den Weg zum "Central Market". Dieser Markt ist nicht zu überbieten und unüberschaubar, somit ein absoluter Superlativ. 
Der Zentralmarkt ist lebendig, laut, geruchsintensiv, bunt, vielfältig, dreckig und auf seine ganz eigene Art überwältigend. Hier findet man ohne Zweifel die schönsten und ausgefallensten Stoffe in ganz Ghana. Auch der Bürgersteig bzw. Straßenrand ist ein kleiner Markt und dient als Verkaufsort für schlicht und einfach alles. Schon an der Hauptstraße ist es möglich aus dem Auto heraus neue Schuhe oder Shrits zu kaufen. An allen Wegen, Kreuzungen oder kleinen Verkehrsinseln ist es möglich zu essen und hierbei steht natürlich einiges zur Auswahl. 
Schon nach wenigen Stunden in Kumasi waren wir mit den Kräften am Ende und machten uns auf den Weg zurück ins Hotel. 













































Cape Coast
Die Fahrt in den Süden beeindruckte uns mal wieder mit ihrer unglaublichen Landschaft. Die Fahrt verging, wie das ganze Jahr, wie im Flug und da war es endlich- das Meer. Der endlos scheinende Ozean hat eine faszinierende, mächtige  Ausstrahlung auf mich und war gleichzeitig so warm.
Cape Coast ist historisch betrachtet eine der bedeutendsten Städte des Landes und existierte schon vor der Ankunft der Europäer als kleines Fischerdorf. Cape Coast Castle ist die am Meer gelegene Burg der Briten welche so unerwartet auftaucht, dass es überrascht plötzlich vor einem so gigantischem Gebäude zu stehen. Vor vielen Jahren diente die weiße Burg als Sklavenumschlagplatz und war ca. 200 Jahre der wichtigste und größte Stützpunkt. Eigentlich ist der Rundgang und die Tatsache, dass Menschen hier um ihr überleben kämpften eher beklemmend. 
Vor der Burg liegt eine große Felswand und durch die Wellen, welche mit aller Kraft dagegen prallen, wirkt diese noch größer und stolzer. Die Innenstadt bietet eine sehr gute Gelegenheit zum Souvenirshopping und ganz allgemein wirkt es hier klein aber fein. 






























Kakum-Nationalpark
Am Karfreitag machten wir uns auf die Reise in den Regenwald. Auf der Fahrt zum nahegelegenen Ziel besuchten wir einen Krokodilteich und eine Straußenfarm. Natürlich war es eim tolles Erlebnis die Tiere hautnah zu erleben.
Vieles in dem sehr empfindlichem Ökosystem des Tropenwaldes ist vom Aussterben bedroht und wird mit großer Vorsicht gepflegt. 
Im Mittelpunkt der kleinen Führungen stehen die seltenen Pflanzen und deren Nutzung für medizinische Zwecke. Der erste Höhepunkt dieses Aufenthaltes war ohne Zweifel eine Nacht im Baumhaus, welches sich mitten im Grünen befindet. Als zweiter Höhepunkt erwies sich der "Canopy Walkway" , ein in Baumkrohnenhöhe eingerichteter Pfad. Die Hängebrücken sind, wenn auch leicht wackelig, vollkommen sicher. Trotzdem bin ich sicher, dass dieser in Deutschland von "Betreten auf eigene Gefahr" Schildern umgeben wäre.





















Schon am nächsten Morgen machten wir Zwei uns auf die lange Reise nach Kwahu - Bepong.
Diese relativ kleine Stadt  und deren Umgebung sind gezeichnet von wunderschönen Bergen und erwacht zur Osterzeit zum Leben. Hier findet jährlich ein sehr großes Festival statt.  Dieses mit dem Auto zu erreichen ist quasi unmöglich denn ein Kilometerlanger Stau breitet sich in alle Richtungen aus.  Angekommen auf dem Festivalgelände ist es nur die Hautfarbe der Ghanaer die mich daran erinnert,  dass ich mich nicht in Deutschland befinde.  Im Vorfeld wurden riesige Bühnen aufgebaut und eine Bar reiht sich an die andere. Ohne Zweifel ist es ein sehr lebhaftes und lautes Treiben,  ein Treiben ganz anders als ich Ghana bis zu diesem Zeitpunkt kannte. Sofort sind mir all die kurzen Röcke und Hosen ins Auge gestochen die sonst so unüblich sind und auch das Verhalten einiger Besucher ließ zu wünschen übrig. Es war erschütternd festzustellen das es  hauptsächlich die etwas wohlhabendere Gesellschaft betrifft.  Auf eine gewisse Art und Weise war er da,  mein bisher erster kleiner Kulturschock. Der Star des Abends war "Shatta Wale" und die Menschenmasse drängte sich zur größten Bühne um seine Musik zu hören. Natürlich tanzten die Ghanaer ausgiebig und mal wieder wurden wir mit purem Neid erfüllt.  
Erst am nächsten Morgen war es uns möglich Bepong bei Tageslicht zu erkunden. Wahrhaftig haben Jacob und Daniel einen sehr schönen Arbeitsort,  welcher noch ein weiteres, unvergessliches Erlebnis für uns bereit hielt- Paragliding.  Am Ostermontag begaben wir uns früh am Morgen zum Mount Odweanoma.  Seit 9 Jahren versammeln sich hier jährlich 15 Paraglidingprofis aus aller Welt und lassen Besucher an dem Abenteuer teilhaben. Es war ein wunderschönes Erlebnis aus so atemberaubender Höhe auf Ghana zu blicken. 








Wli- Wasserfälle
Schon Dienstag ging unsere Reise, auf welcher uns nun Jacob und Vera begleiten, weiter in die Volta Region Ghanas. 
Hier befindet sich Ghanas höchster Wasserfall in dem Agumatsa Naturreservat direkt an der Grenze zu Togo. Hunderte Schmetterlinge,  Vögel  und Fledermäuse  tummeln sich hier im Wald. Mit nur einem Blick an der Felswand entlang kann man tausende der Fledertiere erblicken, fliegen sie aus um nach Futter zu suchen wird der Himmel in sekundenschnelle schwarz. Leider kommt es vor, dass die Babys  vom Rücken der Mutter fallen doch somit war es uns möglich die kleinen aus der Nähe zu betrachten.  Zugegeben sind sie sehr niedlich und werden hier nicht ohne Grund als 'Götter der Luft' bezeichnet. Die Wasserfälle sind eine angenehme Abkühlung und eine tolle Gelegenheit zum Baden.  Auch der hier in großen Mengen vorhanden Palmwein sorgt für ausgelassen Stimmung. Mit unserem Guide  Frances machten wir uns auf den Weg zu dem oberen Wasserfall der so hoch in den Bergen liegt, dass er nur über rutschige,  schmale  Pfade zu erreichen ist und das Wort 'schweißtreibend' beschreibt die Tour perfekt. Doch unterwegs ließ uns der umwerfende Ausblick die Wärme und extrem hohe Luftfeuchtigkeit vergessen. 








Das vorletzte Ziel: Ada-Foah, ließ  nach einer Fahrt mit sehr Viel Glück nicht mehr lange auf sich warten. In angenehmen Hütten verbrachten wir  drei Tage an der Atlantikküste des Volta-Gebietes.  Hier fließt der Volta, umgeben von weißen Küstenstränden,  direkt in den Ozean. Da wir mittlerweile alle etwas entkräftet sind bietet dieser Ort die perfekte Möglichkeit zur Erholung.  Doch auch ein anderes Gefühl überkommt mich nach schon fast zwei Wochen auf Rundreise durch Ghana- Heimweh. 






Nach einer 16 stündigen Busfahrt erreichten Clara und ich Larabanga,  in diesem kleinen und ruhigem Ort verbrachten wir eine wundervolle Nacht unter dem Sternenhimmel bevor uns der nächste  Tag und somit der Ausflug in den Mole -  Nationalpark  erwartet. Dieser Park überzeugt wohl jeden mit seiner natürlichen Schönheit.  Schon als ich bei der Ankunft ein kleines Äffchen über den vor mir liegenden Weg rennen sah, war ich überzeugt.  Doch das fernab liegende Areal hat einiges zu bieten.  Es war ein unbeschreibliches Gefühl den großen und tonnenschweren Dickhäutern so unglaublich nahe zu sein, sie beim Baden mit Krokodilen zu beobachten und in ihrem ganz natürlichem Lebensraum zu erleben. 







 Von der Fuasafari  ging es auf direktem Weg nach Hause. 
Ich war so unglaublich fröhlich als ich endlich die ersten Häuser Wenchis  erblickte und schließlich meinen kleinen Gäbi wieder in den Armen halten konnte. Leider fehlt seit einigen Wochen ein Familienmitglied- Teddy. Ich war mit zwar bewusst, dass den Ghanaern die Sache mit den Haustieren nicht halb so sehr am Herzen liegt doch das der kleine tatsächlich mal als Mahlzeit dient hätte ich nicht erwartet. 

Mittlerweile sind die letzten 3 Monate angebrochen und ich habe mich an einen Spruch aus meinem Fotoalbum, welches ich zum Abschied geschenkt bekommen habe erinnert - "home is where your Laptop is". Wahrscheinlich diente er einst zur Aufmunterung, nun hat er eine vollkommen neue Bedeutung. Die einzige Option die bleibt, die letzte Zeit genießen und damit fange ich gleich an! 

Eure Plewsi <3

Donnerstag, 10. April 2014

Nakpanduri und Bunkpuru

Unsere Reise begann früh am Morgen und unser erstes Ziel hieß " Tamale".
Angekommen in der viert größten Stadt Ghana's waren wir zunächst hungrig, doch wer Straßenkost mag ist hier genau richtig. Metro Mass Transit hat das größte und preiswerteste Busangebot des Landes. Die Busse sind nicht klimatisiert, robust und in guter Verfassung, daher relativ sicher. Allerdings haben sie nur ungefähre Abfahrzeiten, welche von der Nachfrage abhängen. Nachdem wir unsere Tickets nach Nakpanduri gekauft hatten, stellten wir uns auf eine lange Wartezeit ein. Lang im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Metro Mass kommt zwischen 13 und 16 Uhr. Als endlich ein orange farbener Bus, mit der Aufschrift Bunkpurugu, auf den Warteplatz bog nahm das Durcheinander seinen lauf. Für das ghanaische Gemüt sind Begriffe wie Stress oder Hektik Fremdwörter, dachte ich zumindest bis zu diesem Zeitpunkt. Innerhalb von wenigen Sekunden bildete sich eine große Traube von Menschen um die Eingangstür. Endlich auf unseren Sitzplätzen angekommen konnten wir, umgeben von Reissäcken, Wasser, Früchten, Hühnern und dem lauten Gerede der Menschen etwas schlafen. Auch wenn lange Reisen hier sehr viel unkomfortabler und anstrengender sind, sind sie auf unbeschreibliche Art besonders. Der Blick aus dem Fenster offenbarte mir weite, trockene Landschaft. Oftmals versammeln sich viele Frauen und Kinder an angelegten Brunnen. 
In den letzten 6 Monaten erlebten wir einige herausragende Momente, Momente für die es sich vielleicht besonders gelohnt hat. Auch während dieser Fahrt erlebte ich einen solchen Moment, einen den ich im Gedächtnis haben möchte wenn ich meinem Lieben von Ghana erzähle. Auf meinem Schoß saß ein kleines Mädchen, deren Namen ich nicht kenne und ich fütterte sie mit Kose. 
Kose besteht auf Bohnenmehl, wird in Fritierfett zubereitet und ist auf jedem Markt zu finden. Diese Leckerei kann man neben Wasser, Eiern und Süßigkeiten auf kleinen Haltepunkten durch das Fesnster des Busses kaufen. 
Plötzlich zupfte sie ein Stück von dem, aus ihrem Mund hängendem, Kose ab und vesuchte mich, lachend, ebenfalls zu füttern. 





































Nakanduri
Duch die lauten Rufe "sna bee" ( Erdnüsse ) wurde uns bewusst, dass wir Nakpanduri, ein kleines Dorf in der Northern Region und somit das zu Hause von unseren Mitfreiwillgen Clara und Anne erreicht hatten. Am nächsten Morgen führten die Zwei uns zum nahegelegenem Escarpement und an diesem wundervollem Platz machten wir es uns gemütlich. Ich kann mich nicht erinnern zuvor eine schönere Aussicht gehabt zu haben. Es wird erzählt, dass es hier vor langer Zeit Elefanten gelebt haben. Geprägt von Sitten, Bräuchen und Tradtionen sind die Menschen hier eher konservativ und alles entspricht meinen Vorstellungen aus Deutschland. Clara und Anne wohnen ihm Chief's palace -und dies klingt alles viel luxuriöser als es ist. Auch das Oberhaupt des Dorfes duscht ohne fließendes Wasser, in einem kleinen Raum, welcher mit Loch im Boden versehen ist und auch sein WC ist eine kleine aus Lehm gefertigte Rundhütte einige Meter entfernt vom Haus. Das Haus generell besteht aus drei Höfen, drei Höfe für drei Frauen. In einem der drei lebt der Chief zusammen mit seiner ersten Frau Mama Dorcas. Sie was bis zu seinem Amt als Chief auch seine einzige Frau. 
Auf dem Grundstück spielen viele Kinder und einen Überblick wer zu wem gehört habe 
ich nicht erlangt. Die ganze Familie, Alt und Jung, leben zusammen und auch wenn mir die ein oder andere Sache zunächst suspekt erscheint fühle ich mich sofort wohl. 
In Ghana nimmt der Respekt gegenüber anderen Menschen eine sehr große Rolle ein. 
Somit ist das niederknien zur Begrüßung des Chiefs ein Muss. Man senkt seinen Blick bis man die Aufforderung erhält sich zu erheben. Die Rolle wird über drei Familien von Generation zu Gerneration weitergereicht und ist eine große Ehre. Hierbei treffen Religion und Tradition aufeinander, denn die Tradition beagt, dass der Chief mehr als eine Frau die seinen nennen soll. Diese Tatsache steht jedoch etwas im Wiederspruch zum Christentum. Doch unter diesem Aspekt nimmt diese sehr alte Tradition eine größere Rolle ein. 






















































Bunkpurugu
Die fahrt hier her dauert ca. eine Stunde und auch hier zeigt sich der für euch wahrscheinlich eher fragwürdige, für uns mittlerweile normale Fahrstil der Ghanaer. Mit einer Personenanzahl von unter 6 Personen + Fahrer beginnt keine Reise. 
Angekommen in Bunkpurugu bedeutet für uns auch angekommen in der Familie denn hier sind Sister Emilia und Sister Lina zu Hause. Wir wurden herzlich und voller Freude von den Kindern des Hauses: Augustina, Damipi, Dan und natürlich unserer Mitfreiwilligen Vera begrüßt. Dada Konlanbik ist der Herr des Hauses und sie beschreibt ihn liebevoll als Mister Konlanbik, der grauhaarige, alte Mann unter dem Mangobaum, denn unter diesem verweilt er oft stundenlang. Auch hier kommt die ganze Familie in einem großen Innenhof zusammen um zu waschen, kochen, essen und sogar schlafen. Schlafen unter dem Sternenhimmel gibt mir das Gefühl von endloser Freiheit und Unbeschwertheit , ein Gefühl welches ich ohne Zweifel in Deutschland vermissen werde.
Auch hier machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg das Dorf zu entdecken. Am Rande des nahegelegenen Flusses, welcher durch den ausbleibenden Regen ausgetrocknet ist liegt der African- Stone. Ein großer Stein welcher den Kontinent Afrika darstellt. Nach einigen Minuten Fußweg durch die heiße Sonne erreichen wir eine große Felswand- ein netter Ort um Bunkpurugu zu genießen. Bunkpurugu ist das zu Hause der Esel. An jeder Ecke, an jedem Haus oder Baum sieht man sie vor einen Wagen gespannt oder frei umher laufend auf der Suche nach Futter. 



















































Leider heißt es nach ca. 10 Tragen schon Abschied nehmen, denn wir machen uns auf den Weg nach Jirapa- das Zwischemseminar steht an. Nach einer langen Fahrt sind wir froh alle wiederzusehen und gespannt auf die vor uns liegenden Tage. 
Für diese Woche sind auch 4 Freiwillige aus anderen Organisationen zu uns gestoßen. Mit ihnen zusammen war es ein sehr guter Austausch von Erfahrungen, Eindrücken und Herausforderungen. 
Für ein wenig Abwechslung machten wir uns auf den Weg zum Black Volta, direkt an der Grenze zu Burkina Faso. Wenige Schwimmzüge trennen uns also von einem der ärmsten Länder der Welt. Das Wasser des Flusses ist angenehm warm, der am Boden liegenden Schlamm und alte Boote perfekt geeignet für ein bisschen Spaß.
Auch diese Zeit verging wie im Flug und nun bin ich, ein Jahr älter, wieder zurück zu Hause. 






Puder für das neue Lebensjahr

Ich habe Wenchi sehr vermisst, doch bald machen wir uns erneut auf die große Reise. 

Eure Plewsi :*